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Tag der Sehkraft 2008

Zum „Tag der Sehkraft 2008„ wollte der Acher- und Bühler Bote einen Artikel über das Blinde Paar, das in Bühl wohnt, herausgeben. Dazu kam eine Redakteurin zu uns nach Hause und sprach mit uns. Nachdem wir zunächst über den „Tag der Sehkraft“ und über „Sehbehinderungen“ sprachen fragte Frau Kraus uns, was wir denn nun damit zu tun hätten. Fabian antowrtete: „Wir sind beide Blind!“, was die Dame sehr überraschte. Sie schrieb darauf diesen Artikel:

Acher- und Bühler Bote | 9. Oktober 2008


Mitmenschen reagieren unsensibel

Die Blinden Patrizia und Fabian Reif meistern ihr Leben mit Hilfsmitteln

Bühl (ane). „Für die Details ist sie zuständig. Den Überblick habe ich, könnte man sagen.“ Was im ersten Moment nach dominanten Tendenzen des Ehegatten klingen mag, ist in Wirklichkeit die Kurzbeschreibung einer gut eingespielten Zweckgemeinschaft. Patrizia und Fabian Reif sind blind. Die Sehkraft der beiden liegt unter drei Prozent. Ihr Gesichtsfeld ist extrem eingeschränkt, er nimmt nur sehr verschwommen war.

Was das bedeutet, zeigt sich schon bei der Partnersuche. „Sie betreten ein Lokal, sehen einen netten jungen Mann und nehmen Blickkontakt auf.“ Dieser erste Schritt des Kennenlernens sei für einen Blinden jedoch nicht möglich, leitet Fabian die Geschichte ein, die davon handelt, wie er seine große Liebe entdeckte. „Eigentlich war es ja meine Freundin Daniela, die sie entdeckt hat.“

Daniela kauft genau wie Patrizia regelmäßig im Cap-Markt ihre Lebensmittel ein. „Und da muss sie wohl gesehen haben, wie ich zwischen den Regalen entlang geschlichen bin“, gibt die junge Frau lachend eine Kostprobe ihres erfrischenden Humors. Auf diese Weise erfuhr ihr späterer Ehemann, der vom Kaiserstuhl stammt und erst seit 1997 in Bühl lebt, überhaupt erst von ihrer Existenz.

Patricia und Fabian Ruf

DETAILS, wie Prospekte oder auch Speisekarten lesen, gelingt Patrizia Reif mit technischen Hilfsmitteln. Für den pauschalen Überblick ist Ehemann Fabian zuständig. Foto Krause

Als sich ihre Wege kurze Zeit später wiederum indirekt kreuzten, entschloss er sich ihr zu schreiben. „Ich habe mir in Ruhe überlegt, ob ich ihn kennenlernen möchte und ihm dann schließlich eine Email geschrieben.“

Brief? Email? Blind? Doch, erklärt das Paar, das sei zu machen. Technische Hilfsmittel wirken wahre Wunder, wenn es darum geht Dinge „sichtbar“ zu machen. Elektronische Lesehilfen vergrößern Buchstaben bis ins Extrem, bis sie dank entsprechender Ausleuchtung auch für Menschen mit derart schwacher Sehkraft erkennbar werden. Die Küchenwaage spricht.

Und so verhält sich das auch mit Fabians Handy. Draußen bedient sich Patrizia dagegen ihres Blindenstocks. Aber auch der garantiert nicht immer für Rücksichtnahme der Mitmenschen, berichtet sie von ihren Schwierigkeiten, wenn sie das schmucke Reihenhaus, in dem das

Paar lebt, verlassen muss. Wie die Welt draußen aussieht, davon hat die gebürtige Stollhofenerin durchaus eine vage Vorstellung.

Denn trotz des angeborenen Grauen Stars, der sich nach einer OP zum Grünen Star entwickelt hat, verfügte sie als Kind über zehn Prozent der Sehfähigkeit.

„Ich hatte sogar über 25 Prozent und wusste zwar immer, dass ich schlechter sehe als andere. Festgestellt wurde das jedoch erst, als ich den Führerschein machen wollte“, erzählt er von dem Schock und der großen Enttäuschung, die er mit 18 Jahren erlebte. Die Sehkraft von beiden hat im Laufe der Jahre erheblich nach gelassen, die parallel gestiegene Kreativität und die gleichzeitige Aktzeptanz ihres Handicaps sorgen jedoch dafür, dass die beiden Reifs ihr Leben in vollen Zügen genießen.

So ist es für ihn als ersten Vorsitzenden des Tanzsportclubs gar keine Frage, dass er und seine Ehefrau aktiv dabei sind. Überraschenderweise ist für beide Standardlatein nach Welttanzprogramm leichter zu meistern als der Bühler Straßenverkehr.

Ampeln, die nicht blindengerecht sind, unzählige Schilder, die mitten auf den Gehwegenplatziert sind, bilden ganz extreme Hürden. Auch Mitmenschen, die unsensibel auf die Bitte um Hilfe reagieren, oder kurzangebundene Dienstleister könnten einem den Tag auch verleiden.

Aber Patrizia und Fabian Huck halten mit offensivem Lächeln und Verhalten dagegen. „Was sollen wir auch sonst tun? Unsere Freunde und Bekannten müssen schließlich wissen, dass wir sie nicht mit Absicht beim Einkaufsbummel in der Stadt ignorieren. Wir können sie nicht wahrnehmen.“

Deshalb müsse man den Mitmenschen klar machen, wie sich die Behinderung auswirkt und wie am einfachsten damit umzugehen ist. „Nur so kann's funktionieren.“

Heute wird der „Tag der Sehkraft“ begangen, am 15. Oktober ist der „Tag des weißen Stocks“.

Letzte Aktualisierung 13.02.2014  |  © 2018 Familie Ruf   |   Design TS Fromme, IT
 

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