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Folgender Artikel erschien im Badischen Tagblatt, Ausgabe vom 9. Oktober 2021, den wir hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion veröffentlichen dürfen. Vielen Dank hierfür.

Bühlot-Acher-Kurrier | 9. Oktober 2021


Bühl ist nicht überall barrierefrei

Menschen mit Behinderungen unternehmen einen Rundgang durch die Zwetschgenstadt

Eine Person verteilt Simulationsbrillen an zwei weitere Personen.
Stadtrat Karl Ehinger (rechts) und Ortschaftsrat Herbert Lutterodt (links) versuchen, mit Simulationsbrillen und Langstöcken eine Sehbehinderung nachzuempfinden.

Von Christina Nickweiler
Bühl - Kratzende Geräusche sind auf dem Bühler Bussteig mit der Nummer zehn zu hören, nachdem Fabian Ruf einige Langstöcke mit einer rollenden Kugel am unteren Stockende an die Teilnehmer eines Rundgangs durch die Stadt verteilt hat. Ruf ist sehbehindert und leitet an diesem Abend einen Rundgang der Freien Wähler, um zu prüfen, wie barrierefrei die Stadt an einigen stark frequentierten Punkten gestaltet ist.

Ruf ist Sachverständiger für barrierefreies Bauen. Kommunen hören auf seinen Rat, damit sich behinderte Personen möglichst gefahrenfrei in den Städten bewegen können. Die Anwesenden können an diesem Abend mit einer Simulationsbrille und den Blindenstöcken eine Sehbehinderung nachempfinden. Auch zwei Rollstuhlfahrer und eine Person mit einem Behindertendreirad nehmen an der Exkursion teil. Ruf will mit der Gruppe gemeinsam herausfinden, welche Hindernisse es gibt.

Gleich an der ersten Station, dem Busbahnhof, macht Ruf auf Probleme aufmerksam. Denn für Sehbehinderte besteht keine Möglichkeit, festzustellen, von welchem Bussteig, welche Linie, wann abfährt. Er berichtet von Lautsprecheransagen aus anderen Städten, die in Bühl fehlen. Sein Urteil: “Nur mäßig gut gelöst.“ Von Thomas Kist, Behindertenbeauftragter der Stadt und Fritz Ell von der Stadtentwicklung erfahren die Teilnehmer, dass fehlende Bussteigansagen ein Problem der Verkehrsverbunde seien.

Wenige Meter daneben bei den öffentlichen Toiletten, gibt es ein WC für Behinderte mit einer extra breiten Tür. Ruf versucht mit einem Schlüssel, den Behinderte bekommen können, die Stahltür aufzuschließen, und stellt fest: “Funktioniert nicht.“ Die beiden Mitarbeiter der Stadt schauen sich das Schloss genauer an und bemerken, dass irgendetwas in den Schließzylinder geschmiert wurde.

Wie die Leitsysteme für Blinde zu verstehen sind, erläutert Ruf bei der Unterführung am Bahnhof. Längsrillen, Querrillen und Bodenplatten mit Noppen – mehrere Felder signalisieren den Blinden, dass hier ein Zebrastreifen anschließt. Allerdings müssen die Betroffenen erst im Kreis herumlaufen, um diese Botschaft auf dem Boden mit dem Stock zu entschlüsseln. Das sei laut DIN-Verordnung in Deutschland so vorgeschrieben, klärt Ruf auf und löst bei den Zuhörern Verwunderung aus.

Die Unterführung ist zwar mit einer Rampe ausgestattet, aber die ist nach Rufs Einschätzung gerade für Rollstuhlfahrer und Nutzer für Rollatoren zu steil. “Würde man die Norm einhalten, wäre die Rampe einige Hundert Meter lang“, sagt der Sachverständige. Manchmal sei es mit den vorhandenen Bedingungen kaum möglich, die Norm zu bauen, gibt Stadtentwickler Ell zu bedenken.

Aus diesem Grund wurde vor Jahren der holprige Kopfsteinbelag in der Unterführung so abgeschliffen, dass gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer problemlos die Strecke benutzen können. Denn die Erschütterungen durch das Kopfsteinpflaster könnten Krämpfe bei Spastikern hervorrufen, erläutert Kist die Hintergründe. Er ergänzt, dass man extra einen halben Meter von der Wand Abstand gehalten habe, da dort oft uriniert würde.

Bevor die Gruppe in die neu hergerichtete Gartenstraße einbiegt, erklärt Ell die Problematik von Fahrrädern die direkt am Trottoir vor dem Bahnhofsgebäude abgestellt werden. “Wir kämpfen gegen Wellen“, sagt Ell. Kein Blindenstreifen, dafür aber eine Wasserrinne, an der sich Blinde mitten auf der Straße orientieren können – manchmal könne auch abseits der Normen sinnvolle, praktikable und günstige Hilfestellungen eingebaut werden, findet Ruf.

Etwas irritiert begutachten die Teilnehmer die Hebebühne direkt vor dem Ärztehaus. Um eine Hebebühne bedienen zu können, braucht man in Deutschland eine Qualifikation. “Hat der Architekt bei dem Neubau einen Zugang von der Straße zum Fahrstuhl vergessen?“, fragt sich Ruf.

Auf dem Weg über die Schulstraße zum Kirchplatz, wo das Leitsystem getestet wird, stellt die Gruppe fest, dass der Fußweg in der Eisenbahnstraße ob der zahlreichen Pfosten, nicht nur für gehbehinderte Personen Gefahren darstellt, sondern auch für Kinderwagen und Blinde.

Eine Personengruppe am Busbahnhof BÜhl
Fabian Ruf (rechts) und seine Frau Patrizia Ruf (Zweite von links) erklären den Teilnehmern die Tücken für Blinde am Bühler Busbahnhof. Fotos Christina Nickweiler

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Letzte Aktualisierung 13.10.2021, 12:38 Uhr  |  © 2021 Fabian Ruf   |   Design Team IT | TS Fromme
 

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